Ursula Engert, 1.Bürgermeisterin Gemeinde Eisingen

Das waren meine ersten 100 Tage im Jahr 2008.

Dieses Interview wurde 2008 mit mir geführt und ich bin selbst erstaunt, was damals in den ersten 100 Tagen schon umgesetzt wurde:


- Sanierung Feuerwehrgerätehaus mit Vereinsräumen
- Einführung Verlängerte Schulkindbetreuung
- EDV-Ausstattung Rathaus
- Baustellenstart Westliche Hauptstraße
- Vorbereitende Gespräche Spielplatzgestaltung
 

Wie fühlen Sie sich als neue Bürgermeisterin der Gemeinde Eisingen?

Es gibt viel zu tun, es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, es gibt auch Ärger und natürlich auch Beschwerden. Aber das Positive an diesem Amt wiegt alles Negative mehrfach auf. Man kann etwas gestalten. Die vielen guten Gespräche, die Sympathien, die einem entgegengebracht werden, die ganz persönlichen Dinge, die einem anvertraut werden, sind für mich immer wieder überwältigend. Ich freue mich jeden Tag auf meinen Weg zum Rathaus, wenn mich die Kindergarten- und Schulkinder oder auch Eltern begrüßen.
Wie kommt Ihre Familie mit Ihrem neuen Amt zurecht?
Meine Familie ist es gewohnt, dass ich lange Arbeitstage habe und ich habe immer schon viele Dinge unter einen Hut bringen müssen. Neu ist nur, dass auch meine Familie jetzt in der Öffentlichkeit mehr wahrgenommen wird.

Wie sahen die vergangenen 100 Tage aus?

Ich habe mir vor diesem Gespräch aus dem Terminkalender kurz die wichtigsten Dinge herausgeschrieben und bin selbst erstaunt, was sich in der kurzen Zeit alles getan hat.
Am 1. Mai 2008 habe ich meinen Dienst bei der Gemeinde Eisingen angetreten, meinen Dienst für die Gemeinde Eisingen und ihre Bürgerinnen und Bürger.
Festgottesdienst beim Stiftsfest – anschließend Informationsveranstaltung „AufTakt im Westen“ zur Einführung des 40-Minuten-Taktes der Busverbindung Eisingen/Waldbrunn –Würzburg. Zu den Gästen gehört unser neuer Landrat Eberhard Nuss, Vertreter des Kreistags und NWM und VVM.
Bei strahlendem Sonnenschein begleitete uns die Blaskapelle mit flotten Klängen zum Steckerlfischessen im Schützenhaus. Es war ein wunderschöner Start in mein neues Amt.
2. Mai 2008
Ohje, an meinem Arbeitsplatz befindet sich kein PC! Das erschwert mir die Arbeit zunächst mal ungemein.
6. Mai 2008
Konstituierende Sitzung. Es kommt alles ein bisschen anders als erwartet – aber das war wohl in vielen anderen Gemeinden auch der Fall. Überraschend, dass bei der Wahl der stellvertretenden Bürgermeister in Eisingen offensichtlich „die Schwarzen“ „einen Roten“ und „die Roten“ „eine Schwarze“ gewählt haben. Aber irgendwie finde ich es gut – würde mich freuen, wenn man auch zukünftig über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten kann.
7. Mai 2008
Gerüstaufbau am Feuerwehrgerätehaus – Beginn der Bauarbeiten.
8. Mai 2008
Empfang unserer Gäste aus der französischen Partnerstadt Bernières sur Mer. Am Pfingstsonntag habe ich meine erste Ansprache in Französisch gehalten (ohne jemals Französisch gelernt zu haben).
2. Juni 2008
Baustelleneinweisung „Ausbau westliche Hauptstraße“ Jetzt haben wir derzeit gleich zwei Baumaßnahmen, was bisher in Eisingen offensichtlich zeitgleich bisher nicht der Fall war.
Und was wäre eine Baustelle ohne Überraschungen?
7. Juni 2008
25-jähriges Vereinsjubiläum der Eisinger Blaskapelle  mit Sternmarsch der Kapellen und Festzug zur Erbach-Halle. Ein ganz erhebendes Erlebnis und ein schöner Abend mit der „Eisinger Blech“.
23. Juni 2008
Umleitung des Verkehrs für den Ausbau der westlichen Hauptstraße. Und damit beginnt viel Ärger! Es war im Vorfeld offensichtlich nicht vereinbart worden, dass der LKW-Verkehr ausgesperrt wird. Nach einem Stau auf der Autobahn A3 war das Verkehrschaos in Eisingen perfekt.
27. Juni 2008
Zum ersten Mal in meinem Leben steche ich ein Bierfass an und eröffne damit das 31. Eisinger Backhäuslesfest. Ein wunderschönes Wochenende, das Fest ist gut besucht. Am Sonntag kommt Landrat Eberhard Nuss mit dem Fahrrad. Am Abend wird dann auf Großleinwand das EM-Endspiel übertragen. Die Stimmung war zu Beginn super. Später jubelt auf dem Platz nur noch einer - ein Eisinger mit spanischer Herkunft!
18. Juli 2008
Feier und Würdigung unseres Altbürgermeisters Erich Günder mit etwa 90 Gästen in der Erbach-Halle. Ich habe einen Kurzfilm vorbereitet. Ein längerer Film über Eisingen ist geplant.
23. Juli 2008
Ortsbegehung mit Polizei und Verkehrsbehörde wegen Umleitung und verkehrsberuhigender Maßnahmen
 Gemeinderats-Sitzung 1. August 2008
Als erstes großes Etappenziel hatte ich mir die Einführung der verlängerten Schulkindbetreuung vorgenommen. Nach einigen Hindernissen, die zu überwinden waren, wird sie zum Schuljahresbeginn eingeführt.
2. August 2008
Beim Beach-Volley-Ball –Turnier tritt eine Mannschaft des Gemeinderats Eisingen an. Alle Fraktionen sind vertreten.  Das Team unterliegt zwar der gegnerischen Mannschaft, hat aber trotzdem ein tolles Spiel gemacht. Im nächsten Jahr gibt es einheitliche T-Shirts, dann klappt das Zusammenspiel noch besser!
Fußballcamp 1. Bis 3. August 2008
Wenn ich schon nicht beim Beach-Volley-Ball mitgespielt habe, lasse ich es mir nicht nehmen, beim Finale des Fußballcamps bei der Gruppe der Eltern gegen die 43 Kinder anzutreten. Fußball ist zwar nicht unbedingt meine Disziplin – aber es hat riesig Spass gemacht.
6. August 2008
Geschafft! Auch wenn es einige Verzögerungen gab – aber die Arbeiten am Feuerwehrgerätehaus sind weitestgehend fertig. Heute werden die Zimmerer-, Spengler-, und Flachdacharbeiten abgenommen.
8. August 2008
Heute bin ich 100 Tage im Amt. Ich werde meine erste Trauung halten und freue mich darauf.
Sitzungen
In den ersten 100 Tagen fanden neben externen Sitzungen (ZV Fernwasserversorgung, Energiebeirat, Regionaler Planungsverband, Kreisverband Gemeindetag) in Eisingen 5 Gemeinderatssitzungen, 3 Bauausschusssitzungen, 1 Sitzung des Finanz- und Personalausschusses, 1 Sitzung des Schulver-bands und 2 Sitzungen des Zweckverbands Ahlbachgruppe statt.
Bis auf eine einzige Sitzung verliefen alle Sitzungen sehr konstruktiv. Und auch bei dieser Ausnahme würde ich die kleine atmosphärische Störung unter üblichen Anfangs-Koordinationsproblemen, die lösbar sind, einstufen.

Inwieweit haben Sie Ihre im Wahlprogramm gesteckten Ziele bisher verwirklichen können?

- Mehr Sachlichkeit
Wir sind auf gutem Weg. Die Sitzungen müssen noch etwas abgespeckt werden, damit wir über wichtige Themen ausführlicher diskutieren können. Erfreulich war für mich auch, dass ein CSU-Gemeinderat kürzlich geäußert hat, dass wir mit diesem Gemeinderat Dinge  voranbringen können, wo es früher bei der Umsetzung Schwierigkeiten gab.

- Familienfreundlichkeit
Die verlängerte Mittagsbetreuung startet ab September. Um berufstätige Eltern zu unterstützen, können beim Ferienspielplatz die Kinder mittags durchgehend bleiben. Die vorbereitenden Gespräche zur Spielplatzgestaltung sind geführt. Beim Ferienspielplatz soll ein Projekttag stattfinden sowie auch im Jugendzentrum. Für Oktober ist dann ein Projekttag mit den Eltern geplant. Für die Krabbelstube haben wir eine Rutschbahn beschafft.

- Vereinsförderung/Bürgerschaftliches Engagement
Unsere Vereine erfüllen eine wichtige Aufgabe. Ich habe versucht, bei allen Veranstaltungen unserer Vereine präsent zu sein bzw. auch die Öffentlichkeitsarbeit der Vereine und auch der Nachbar-schaftshilfe zu unterstützen. Mit der Geschäftsleitung und den Vereinsvorsitzenden des  St. Josefs-Stifts wurde ein Gespräch geführt, wie auch unsere behinderten Mitbürger im Ortsgeschehen besser integriert werden können.

- Senioreneinrichtungen
In Eisingen wird in den nächsten Wochen eine Tagespflegeeinrichtung von einem privaten ambulanten Pflegedienst eröffnet. Beim  Baugenehmigungsverfahren gab es  ein paar Schwierigkeiten gab. Im Interesse der Verwirklichung einer solchen Einrichtung in Eisingen habe ich versucht, hier Hilfestellung zu leisten.
Umwelt und Verkehr
Mit der Polizei und der Verkehrsbehörde wurde eine Ortsbegehung durchgeführt. Die möglichen Verbesserungen werden umgesetzt, alle Markierungen erneuert, eine Tempoanzeige wird beschafft.
Aktive Teilnahme an Veranstaltung Bürger gegen die Westumgehung in Himmelstadt.

- Örtliches Gewerbe
Durch die Umleitung während des Ausbaus der westlichen Hauptstraße, haben unsere Geschäfte in der Ortsmitte natürlich erst mal Einbußen hinnehmen müssen. Die Baumaßnahme ist aber wichtig und wir haben versucht,  durch entsprechende Beschilderung trotzdem Kunden in die Ortsmitte zu locken. Im Herbst möchte ich ein Gespräch mit den örtlichen Unternehmen führen. Auch hier wird die Verbesserung der Öffentlichkeitsarbeit dabei ein Thema sein.  
 

- Verwaltung
Die Verwaltung muss modernisiert werden, was natürlich nicht von heute auf morgen geht.
Zunächst wurde jetzt erst mal mein eigener Arbeitsplatz mit EDV ausgestattet. Die im Haushalt bereits vorgesehene Ausstattung der Verwaltung mit neuen Bildschirmen ist umgesetzt.